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Arme Menschheit

DIE BIBLIOTHEK DER LETZTEN ECHOS

Arme MenschheitArme Menschheit

Von Gilberto García Mercado

Der Mann erwachte in einer Welt, die nicht die seine war. Die Atmosphäre, leicht und fast lichtdurchlässig, war in metallische Töne getaucht, als hätte die Luft selbst gelernt, die Gedanken derer widerzuspiegeln, die sie atmeten. Die Menschen, mit schlanken Körpern und leuchtender Haut, trugen Stoffe, die je nach Emotion die Farbe wechselten, und bewegten sich in Energieströmen, welche die alten Pfade ersetzt hatten. 

In jener Zukunft war das Leben bis in ungeahnte Grenzen verlängert worden: Einige sprachen von Ewigkeit, andere von einem Jüngsten Gericht, das durch die Wissenschaft aufgeschoben worden war. Die Spiritualität hatte sich in ein Netzwerk geteilter Bewusstseine verwandelt, in dem Beten gleichbedeutend mit dem Anschluss an einen universellen Gedächtnisfluss war. Die menschlichen Züge waren weicher geworden und hatten die Unterschiede fast völlig verwischt, als hätte die Spezies beschlossen, in einer einzigen Form zu verschmelzen. 

Der Mars war ein roter Garten, der Neptun ein gezähmter Ozean, der Pluto ein Heiligtum der Exilierten. Regierungen waren keine Nationen mehr, sondern Energieräte, die Materie und Zeit regulierten. Die Bauten erhoben sich wie schwebende Kristalle, und der Tod hatte aufgehört, ein Mysterium zu sein: Man wusste, dass er ein Übergang war, eine Passage in Dimensionen, in denen sich Materie auflösen und neu zusammensetzen konnte, ähnlich wie bei der Teleportation. 

Der in der Zeit gefangene Mann fand eine verborgene Bibliothek. Dort ruhten verbotene Bücher, die von den Regierungen verbrannt worden waren: Bände, die vom Telefon erzählten, vom Fernsehen, von den ersten Schritten der Wissenschaft. Es waren Relikte einer verachteten Vergangenheit, doch in ihren Seiten pulsierte der Herzschlag der Menschheit. Als er sie öffnete, spürte er, dass jedes Wort eine Rettung war, ein Pochen, das sich weigerte zu sterben.

In den Korridoren dieser Bibliothek lernte er eine Frau kennen, eine Flüchtige vor den Gesetzen des Vergessens. Ihre Augen bargen die Nostalgie der Jahrhunderte, und gemeinsam erlebten sie eine kurze, intensive Liebe, wie ein Blitz inmitten der Einsamkeit jener Zukunft. Sie lehrte ihn, dass die Erinnerung die wahre Ewigkeit sei und dass Lieben bedeute, der Zeit zu trotzen. 

Auf seinen Streifzügen gelangte er zu einem Friedhof. Dort ruhten die großen Gestalten unserer Zeit: Wissenschaftler, Dichter, Visionäre. Ihre Gräber waren Hologramme, die ihre Leben erzählten und einen Kontrast zur Stille der Zukunft bildeten. Der Mann begriff, dass die Menschheit den Weltraum erobert, aber die Zärtlichkeit des Erinnerns verloren hatte. 

Die Bibliothek brannte im Geheimen, doch er entschloss sich, ein Buch zu retten und es an seiner Brust zu verbergen. Es war seine Art des Widerstands, die Stimme derer, die einst träumten, in die Zukunft zu tragen. Denn in dieser Welt aus Kristall und Ewigkeit war das Menschliche das Verbotene – und das Menschliche war das, was sie noch retten konnte.

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